Auge um Auge, Zahn um Zahn. Wir hören das als Konzept von Selbstjustiz und Rache. In einem Bibel-Podcast («Unter Pfarrerstöchtern» von Die Zeit) habe ich erfahren, dass dieses archaische Gebot eigentlich ein Aufruf zur Mässigung war: Für ein im Kampf verlorenes Auge soll der Täter nicht mit seinem Leben büssen müssen. Für die Zeit in der diese Regel galt (oder je nach Glaube, von Gott eingeführt wurde) war sie also immerhin ein Fortschritt, im Bewusstsein, dass Gewalt Gegengewalt erzeugt, auch wenn sie sich als Rache rechtfertigt. In der dunklen Logik der Gewalt endet die Spirale der gegenseitigen Rachefeldzüge nur, wenn der Feind mit all den Seinen ausgerottet wird.

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