Defund the Konföderation – Kolumne Februar 2026

Erinnern Sie sich an diese Zeit in Amerika, als die „Black Lives Matter“-Bewegung auf den Strassen demonstrierte und in einigen Ecken ein Slogan immer wieder auf Transparenten auftauchte: „Defund The Police“ – „Nehmt der Polizei das Geld weg!“

Die Gewalt in den Strassen der USA hat viel mit dem kulturellen Schmelztigel dieser Nation zu tun. Es ist Amerika bisher nicht gelungen, eine gemeinsame Erzählung zu finden, die auch eine Art „Volk“ machen würde, aus all den Menschen, die dort mit unterschiedlichsten Herkunftsgeschichten zusammentreffen. Ein Volk, in dem man sich einander verantwortlich fühlt, sich gegenseitig mitträgt.

Ich empfinde viel Solidarität für jene (oftmals Rand-)Gruppen, die bei „Black Lives Matter“-Umzügen mitgelaufen sind. Und ich verstand auch damals schon, dass „Defund The Police“ meist als Umschichtung der Geldmittel gemeint war: Für mehr Sozialarbeit in den Quartieren, damit man nicht alle Konflikte zwangsläufig bewaffneten Sicherheitskräften überlassen muss. Aber der Slogan war unglücklich gewählt und wurde zum politischen Eigentor. Nachvollziehbarerweise, denn es liegt nahe, dass eine mangelhaft funktionierende Institution nicht besser wird, wenn man ihr als Strafe das Geld entzieht: Sie braucht bessere Ausbildungen, bessere Führung, klarere Prioritäten, ein solides Fundament, auf dem sie positiv weiterentwickelt werden kann.

Aus den helvetischen Kreisen, die sich damals am lautesten über die „Defund!“-Spruchbänder aufgeregt haben, kommt nun eine Initiative, mit demselben kurzsichtigen Denkfehler: Sie will das Budget der ungeliebten SRG halbieren. Ein bisschen zum Sparen, ein bisschen als politische Strafe. Die erschreckend vielen Zustimmenden gehen scheinbar davon aus, dass die blöde Sendung weggespart wird, und die tolle Sendung erhalten bleibt. Ein wenig Nachfragen in verschiedenen Kreisen zeigt aber rasch, dass da ganz verschiedene Inhalte „blöd“ oder „toll“ sind. Logisch: Es schauen und mögen nicht alle dasselbe. Wer weiss, was übrigbleiben würde?

Ich mache einen Bogen zurück nach Amerika: Die Geschichte und Bevölkerungszusammensetzung unseres kleinen Landes sind weniger explosiv. Wir haben zudem eine uralte Erzählung, die uns bisher trägt: Sie heisst Konföderation. Wir sind ein Zusammenschluss der Verschiedenen. Wir haben uns geeinigt, einerseits diese Verschiedenheit zu erhalten, andererseits einander mitzutragen: Weil nicht alle allein bestehen könnten, aber alle zum gemeinsamen und besonderen Ganzen beitragen. Die vielen Kanäle und Sendegefässe der SRG spiegeln das: Sie machen allen ein Angebot und versuchen gleichzeitig eine gemeinsame Erzählung auch im Jetzt aufrecht zu erhalten. Tun sie das immer super? Wahrscheinlich nicht. Braucht es dafür jede Sendung? Wahrscheinlich nicht. Aber es ist eine haarsträubende Idee, mit halbiertem Budget würde etwas besser. Stellen Sie sich als Übung irgendeines Ihrer anstehenden Ausgaben-Projekte vor. Sie möchten es verbessern. Jetzt halbieren Sie das Budget… Eben. Ein halbiertes Budget bedeutet Abbruch der Übung, Neustart mit massiven Anpassungen, Sparen primär in Randbereichen. Verbesserung wird unmöglich, es bleibt ein bescheidenes Überleben im besten Fall.

Wir sollten diese zentrale Institution unserer wertvollen Konföderation nicht kaputtsparen. Es geht um nicht einmal einen Franken in Tag. Wenn wir ihn weiterhin ausgeben, haben wir jedes Recht eine verbesserte Leistung dafür einzufordern. Wenn wir 50 Rappen pro Tag sparen, zerstören wir in unserem gemeinsamen Ganzen garantiert mehr, als wir uns für dieses Füfzgi kaufen können.

Ja, das stimmt – Juni 2025

Kürzlich wollte ich eine Liste zusammenstellen mit Personen, die in meinem Leben eine bleibende Spur hinterlassen haben, und mit denen ich gerne einmal sprechen möchte im Rahmen des Podcasts, den ich in diesem Frühling gestartet habe. Als ich mit einer Freundin darüber geschaut habe, meinte sie: „Das sind halt schon wieder viel mehr Männer als Frauen, auch bei dir.“

Und ich habe gesagt: „Ja, das stimmt.“

Dann bin ich die Positionen durchgegangen und konnte zeigen, warum es so ist. Der Blick zurück bedeutet auch, dass ich abbilde, was in der Geschichte meines Lebens die Realität war: Von den gewichtigen Fächern am Lehrer:innenseminar über die Schlüsselpositionen im Schweizer Musikbusiness bis zu den markant aufgefallenen Personen in der medialen und öffentlichen Debatte waren in der prägenden Zeit zwischen 1990 und 2010 überall bedeutend mehr Männer in Positionen, in denen sie auch bei mir eine Spur hinterlassen konnten. Ich habe also nicht absichtlich oder aus Geringschätzung die Frauen weggelassen.

Und sie hat gesagt: „Ja, das stimmt.“

„Aber“, hat sie gesagt, „ Weiterlesen

Ungesunde Rentabilität – April 2025

Wussten Sie, dass in der Sowjetunion (von der ich kein Fan war oder bin, nur um das grad geklärt zu haben) Fastenkliniken betrieben wurden, die sehr erfolgreich waren bei der Heilung oder Linderung von Zivilisationskrankheiten, bis hin zur Krebstherapie? Glauben Sie es mir nicht, lesen Sie es nach. Eine Fasten-Klinik in Norddeutschland kämpft seit Jahren darum, Gelder zu erhalten, um ihre beeindruckenden Resultate mit Studien so belegen zu können, dass sie in den Fachmagazinen diskutiert und in die Gesundheitspolitik einfliessen können. Das Geld kommt nicht. Der Erfolg bleibt unsichtbar. Dafür werden Abnehmspritzen importiert – ein interessanteres Geschäftsfeld…

Warum schreibe ich das? Weiterlesen

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