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Wie wir per Knopfdruck verschwinden – Juni 24

Ein Thema ist in letzter Zeit auf jeder kulturpolitischen Traktandenliste aufgetaucht: KI, Künstliche Intelligenz. Kaum eine Woche vergeht ohne Nachrichten darüber, was mit der KI neuerdings auch oder zumindest einfacher gemacht werden kann. Die Digitalisierung verändert die Welt und die Berufe, das ist nicht neu. Die roten Wellen auf dem Bildschirm unter jedem meiner Tippfehler, kenne ich seit vielen Jahren. Wir delegieren unsere Verantwortung an die Technik, weil es praktisch ist. Warum vor der Autofahrt Kartenlesen, wenn einem das Navi zum Ziel bringt? Dass wir dabei lange aufgebaute Fähigkeiten verlernen, ist uns zwar irgendwie bewusst, aber am Ende des Gedankens ist es halt „doch einfach gäbiger“. Weiterlesen

Von menschlichen Kindern und kindischen Menschen – Mai 24

Ich habe gestern wieder mal den Kindern bei Spielen im Garten zugesehen. Auch Zusehen gibt zu tun, alle paar Minuten kommt eines angerannt, um die Ungerechtigkeit eines anderen zu berichten. Oder man hört die Kleine irgendwo aufheulen und sieht nach, wie ernst der Vorfall ist. Es hatte von einem gemeinsamen Zmorge noch ein paar Gipfeli auf dem Tisch, lange unberührt, aber sobald ein Kind sich noch eins holte, kamen grad mehrere angerannt und wollten auch. Wir haben verteilt und geschmunzelt: Immer diese Angst zu kurz zu kommen.

Bei den Kindern schmunzelt man, sie lernen das alles erst gerade. Aber manchmal denke ich dann: Zwischen 2- und 3-jährig ist also der Punkt, an dem die Entwicklung bei jenen Erwachsenen stecken geblieben ist, die auch immer meinen, genau sie würden plötzlich zu kurz zu kommen, jemand nimmt ihnen alles weg, ich muss schnell sein, meine Vorteile verteidigen! (Hier Lesende natürlich ausgeschlossen…) Weiterlesen

Vom Privileg, über das Wort Privileg nachzudenken – März 24

Kürzlich habe ich gegenüber einer Freundin aus Amerika am Telefon in irgendeinen Zusammenhang das Wort „woke“ gesagt – und hörte förmlich, wie sie zusammenzuckte (was natürlich nicht geht, aber Sie wissen, wie ich meine). „Woke“ sagt man nicht mehr, hat sie erklärt, „woke“ sei das Wort, das die Konservativen brauchen, um progressive Ideen als extremistisch zu diffamieren. Ich hätte fast eingewendet, dass die progressive Bewegung sich ja selbst so betitelt habe, seit etwa zehn Jahren, ausgehend von den Black Lives Matter-Demonstrationen in den USA. Aber sie war so überzeugt, dass ich verzichtete.

Unser Gespräch drehte sich auch um Privilegien der Menschen in gutsituierten Ländern. Und nachdem wir aufgehängt hatten, wurde mir bewusst, dass auch „Privileg“ ein Wort ist, das gerade seine Bedeutung ändert. Weiterlesen

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