Category: Kolumnen Frutigländer (page 2 of 4)

Wenn die Geschichte das Zeugnis schreibt – März 2016

In der Pubertät zwischen der 6. und der 9. Klasse war es ja nicht einfach, sich auf den Schulunterricht zu konzentrieren. Ich weiss noch genau, wie mir auch der üblichste Liebeskummer lebensbedrohlich vorkam, an welchen Ecken auf dem Pausenplatz ich mich postiert habe, in der Hoffnung, meine Angebetete spaziere vorbei und würdige mich vielleicht sogar eines Blickes. Aber was wir da genau im Geo und Math durchgenommen hätten… Tja.

An eine Doppelstunde Geschichte erinnere ich mich aber sehr genau. Wir sahen einen Dokumentarfilm über den Holocaust. Continue reading

Als junger Dorflehrer – Januar 2016

Diesmal „es Gschichtli“.

Es fing damit an, dass eine Scheibe zerbrochen war bei der Kellertür hinter dem Schulhaus. Der Abwart konnte rekonstruieren, dass eine Gruppe Jungs dafür verantwortlich sein musste, die er am Abend zuvor hatte Fussball spielen sehen auf dem Schulhausplatz. Der Abwart kam zu mir und informierte mich, weil ich der Klassenlehrer war. Ich nahm ich mich der Sache sofort an und behielt die vier Jungs nach dem Unterricht bei mir. Stefan, den Sohn eines Jugendfreundes und Nachbarn von mir. Bruno, den Sohn des Gemeindeschreibers. Michael, der mit seiner Familie erst vor kurzem ins Dorf gezogen war. Jakob, der bei uns im Dorf aufgewachsen war, dessen Eltern aber erst kurz vor seiner Geburt hergezügelt waren.

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Der Wahnsinn der Wiederholung – Paris, Bagdad, Kanderbrück – November 2015

Ist es eigentlich immer noch so, dass die Schüler, die das Widischulhaus besuchen, sich lustig machen über jene, die in Kanderbrück zur Schule gehen? Und umgekehrt, natürlich. Und die Reichenbacher und die Frutiger? Wie versteht man sich, und wie gut ist man aufeinander zu sprechen? Ich erinnere mich, dass uns in meiner Schulzeit die vom anderen Ort immer etwas suspekt waren. Die Kandersteger zum Beispiel, sie waren schon in Ordnung, zumindest die, die zu uns in die Sek kamen, aber eigentlich schon ein bisschen komisch diese Kandersteger, oder? Das fanden sie von uns Frutigern natürlich auch.

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Geiz ist blöd – Oktober 2015

Echt oder nicht? Teil 1
Erinnern Sie sich noch an die EXPO 02? Den nachhaltigsten Eindruck hat bei mir der Erdbeer-Pavillon hinterlassen. Man spazierte eine Viertelstunde durch allerhand meist plastifizierte Objekte die Assoziationen mit Erdbeeren auslösten. Man konnte Vieles kosten, was angeblich nach Erdbeere schmeckte. Das tat es auch, so schien mir. Und erst am Ausgang bekam man eine echte Erdbeere: Was für ein Genuss! Der Unterschied war erstaunlich. Erstaunlich, von wie vielem ich mir tatsächlich hatte weismachen lassen, es habe irgendetwas mit der Erdbeere zu tun, im „Angesicht“ der echten Erdbeere.

Als ich diesen Sommer in Osteuropa unterwegs war, sind mir die Erdbeeren der EXPO 02 oft eingefallen.

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Die markierte Landschaft – August 2015

Ich versuche auf dem Boden zu bleiben beim Reisen. So habe ich auch diesen Sommer ein paar Tage in Zügen und Bussen verbracht unterwegs nach Südosteuropa. Da hat man Zeit, die wechselnden Landschaften vor dem Zugfenster zu betrachten. Da hat man Zeit, mal wieder 100 Seiten am Stück zu lesen und packt Bücher ein, die im zerstückelten Berufsalltag zu lang wären. So sass ich mit „Rot ist mein Name“ des  türkischen Nobelpreisträgers Orhan Pamuk im Eurocity, und tauchte ein in die Welt der muslimischen Buchmaler im Istanbul von 1591.

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Der verbotene Schopf – Juli 2015

Kürzlich auf einem Spaziergang durch Frutigen bin ich dem Leimbach entlang Richtung Bahnhof gegangen. Ich wurde ein bisschen nostalgisch. Vis-à-vis sah ich die Mauer, auf der wir uns als Jugendliche an vielen Abenden getroffen haben. Für uns war das ein idealer Platz: Man konnte sich etwa in die Mitte zwischen den beiden Brücken setzen und sah von weither, ob jemand in die Nähe kam. Längst genug Zeit eine verbotene Zigarette auszudrücken. Längst genug Zeit, ein heikles Gesprächsthema zu unterbrechen. Dass man im Dunkeln auch die Zigarettenglut von weither sehen konnte, wurde uns erst bewusst, als wir bereits erwischt waren.
In meiner letzten Kolumne habe ich von der Reitschule in Bern erzählt. Und bei jenem Spaziergang durch Frutigen, ging mir ein weiterer Aspekt auf, der in diesem Thema wohl auch eine Rolle spielt.

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