Wählbar unanständig – Dezember 2016

Bern ist fern, das reimt sich. Gölä kann reimen, wettern kann er auch: Wie furchtbar «links» die Schweiz sei, dass sich nur die rechten Politiker um «das Volk» kümmern würden und die linken abgehobene Akademiker seien. Auch bei den rechten Parteivorständen regieren aber schon lange nicht mehr Bauern, geschweige denn «gewöhnlichen» Angestellte. Gölä hat jedoch in einem Punkt Recht: Das Parlament ist kein Querschnitt des Volkes, es besteht aus «Eliten» verschiedenster Prägung, links wie rechts. Zwangsläufig: Für den politischen Aufstieg braucht es meist Finanzen im Rücken und eine gewisse Bildung. Letzteres zum guten Glück, wir wollen ja nicht aus purer Sympathie Leute wählen, die noch weniger wissen als wir. Auch eine Portion Narzissmus gehört zu einem öffentlichen Amt. Wer sich nicht gerne reden hört und ungern vor Leute und Kameras steht, eignet sich kaum. Das schliesst nochmal viele «normale» Menschen aus. Vom Oberland her, auch Göläs Wohnort, kann man es also so sehen: Die dert unde, sy die dert obe, und Bern ist fern.

Mit den Wahlen in den USA stellt sich die Frage neu, was eine wählbare Persönlichkeit ist. Continue reading →

Dicke Luft in der gemütlichen Stube – Oktober16

Nein, ich werde mich jetzt nicht über die letzten Abstimmungen auslassen, das bringt ja nichts mehr.
Kürzlich habe ich einen Bundessteuerbeamten kennengelernt. Seinen Arbeitsalltag stellt man sich klischeehafterweise eher öde vor. Ich habe mir angewöhnt, solche Gelegenheiten erst recht zu nutzen um nachzufragen. Es war ein sehr spannendes und aufschlussreiches Gespräch, und es ist mir wieder eingefallen, als bekannt wurde, dass wir bald über die Unternehmenssteuerreform III abstimmen können. Dort geht es (sehr vereinfacht) um die Frage, welche Steuern man den Unternehmen zumuten kann. Hauptsorge der Parlamentsmehrheit war offenbar, die Unternehmen und Investoren könnten die Schweiz verlassen.
Es ist eine der Sauereien unserer Zeit, und sie betrifft nicht nur die Schweiz. Continue reading →

Heimweh zuhause – August 2016

Heute mal was Persönliches. Kürzlich hatte ich nach einer Probe in Frutigen Zeit für einen Spaziergang. Er führte mich ins Tellenfeld, wo ich in meiner Kindheit viele Abende draussen verbracht habe. Es war eine klare, aber mondlose und damit stockfinstre Nacht. Der Boden war noch aufgewärmt vom sonnigen Tag, die Wiesen frisch gemäht und der Duft von trocknendem Gras tränkte die laue Nacht. Ich stellte auf der Runde durch das Quartier fest, dass einige Häuser neu dazu gekommen waren, andere erneuert, dass mir aber das allermeiste vertraut war und sich hier eine scheinbar gerade Linie ziehen liess von meiner Kindheit bis zur Gegenwart. Es war ein wunderschöner Spaziergang, und wie oft, wenn ich zurück im Dorf bin und etwas Zeit habe auch meinen Empfindungen nachzuspüren, war ich erfüllt von einer eigenartigen Mischung aus Vertrautheit und Fremdheit, glücklich und traurig zugleich, ein Heimweh zuhause. Ich habe mich vertopft wie eine Pflanze, dachte ich, und hier im Tal wäre eigentlich mein natürliches Terrain gewesen.

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